Wappen der Stadt Schifferstadt damals und heute

 

Die Geschichte von Schifferstadt im Mittelalter

 

 

Die Namensgebung

 

Belegte Personen des Hochmittelalters in Schifferstadt

 

Die Struktur des mittelalterlichen Dorfes und belegte Örtlichkeiten

 

Das historische Schifferstadt nach den uns bekannten Daten und Belegen

 

Herzog Otto und seinen besonderen Bezug zu Schifferstadt

 

Schifferstadt und sein besonderer Bezug zur Abtei Limburg

 

          

 

 

Die Namensgebung

 

Generell möchten wir gleich zu Begin festhalten, das unsere Namenswahl "Sciferstat" keinen ausgesprochenen Beleg im Hochmittelalter findet. Vielmehr wurden wir von dem Gedanken geleitet, einen Bezug zum hochmittelalterlichen Schifferstadt herzustellen, aber auch den interessierten Lesern und Betrachtern unserer Gruppe die Möglichkeit zu geben, einen schnellen und einfachen Bezug zum heutigen "Schifferstadt" herzustellen. Der Zusatz "As Vicus" soll weiter auf belegbare römische Fundorte im heutigen Schifferstadt hinweisen und somit den Namen abrunden

 

Die älteste Namensform der Stadt lautet 868 „Sciffestad“, 977 (bzw. 987) „Skeferstat“, 1035 dann (vermutlich) „Sciferstat“ was uns zur Namensgebung unseres Vereins inspirierte.

Das oben dargestellte Wappen stammt natürlich nicht aus dem 12. Jahrhundert, eher ist hier das 16. Jahrhundert anzunehmen. Die Siedlungshinweise gehen aufgrund diverser Funde von Steinwerkzeugen bis in die Steinzeit zurück (Steinbeile, Steinmeisel, der berühmte goldene Hut). Wir hatten sehr großes Glück und sind an ein Foto der Urkunden-Kopie (Aufbewahrt im Generallandesarchiv Karlsruhe unter der Nummer: GLA KA Best. A (Selekte der älteren Urkunden) Nr. 14) gefunden. Mehr dazu im Abschnitt "Das historische Schifferstadt nach den uns bekannten Daten und Belegen"

 

Erste urkundliche Erwähnung Schifferstadts aus dem Jahre 868

 

Wir recherchieren in diesem Bereich natürlich permanent weiter. Unser Ziel ist es irgendwann ein abgerundetes Bild von 'Sciferstat' im 12. Jahrhundert lebendig werden zu lassen. Vielleicht kann uns in dieser Hinsicht der ein oder andere Besucher mit neuen Daten und Fakten weiterhelfen !

 

Es gibt zwei grundlegend verschiedene Deutungen der Namensgebung

 

RehbachV

 

ariante 1 (unwahrscheinlich): Der erste Bestandteil des Namens kann abgeleitet werden von „scif“, althochdeutsch auch „scef“, was Schiff bedeutet. Auf dem Rehbach fuhren jedoch keine Schiffe, sondern nur Flöße, da Holz auf dem Rehbach zum Rhein geflößt wurde. 

Georg Heeger: „Der Flößerei auf dem Rehbach verdankt Schifferstadt seine Entstehung. Der älteste Name „Sciffestad“ bedeutet Floßgestade.

Karl Christ: „Schon der alte Name von Schifferstadt bedeutet Floßgestade oder Stätte der Flößer, die Schiffer hießen."

 

Variante 2 (sehr wahrscheinlich): Henning Kaufmann (Pfälzische Ortsnamen, München 1971) und Martin Dolch/Albrecht Greule (Historisches Siedlungsnamenbuch der Pfalz, Speyer 1991) gehen vom Personennamen Skifheri (Kurzform Skiffo) aus, der Grundlage für die Bildung des Ortsnamens mit dem Grundwort -statt gewesen ist. Kaufmann erklärt zur Begründung, dass zum einen das Wort "Schiffer" erst in der mittelniederdeutschen Form "schipper, schepper" ins Mittelhochdeutsche gedrungen sei und zum anderen die pfälzischen Ortsnamen auf -statt, -stadt fast immer mit einem Personennamen gebildet wurden. 

 

Weitere Varianten: Natürlich gibt es noch weitere Varianten, zu welchen uns im Moment aber Belege fehlen. Zum einen könnten der Name von den Schöffen  abgeleitet werden, welche es ja in Schifferstadt tatsächlich gegeben hat, hier geben wir allerdings zu bedenken das wohl kaum der Schöffe vor dem Ort anzutreffen war. Dann gibt es die Variante das der Name von dem anderen Begriff für Mulde oder Grube, auch Schiffe genannt abgeleitet sein könnte. Da Schifferstadt zum Teil tatsächlich in einer Art Senke liegt ist diese Version vielleicht nicht ganz von der Hand zu weisen

 

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Belegte Personen während des Hochmittelalters in Schifferstadt

 

Zu Begin möchten wir auf einige belegte Personen mit direktem Bezug zu Schifferstadt hinweisen. Im 12. Jh. sind mindestens 5 Personen aus der Niederadelsfamilie von Schifferstadt nachweisbar: Walter, Albert, Adelheid, Eberhard und seine Schwester. Walter und Albert waren wahrscheinlich Brüder. Die drei anderen sind wohl Nachkommen der beiden. 

Walter ("Galterus de Schiferstat") war Ministeriale der Speyerer Kirche. Zwischen ca. 1155 und 1162 wird er bei einer Schenkung an das Zisterzienser Kloster Ramsen als Zeuge genannt. 1164 wird er zusammen mit "Albertus de Sifferstat" als Zeuge in einer Urkunde genannt, bei der eine Marienkapelle dem Kloster Eußerthal zuerkannt wird. Albert war ebenfalls Ministeriale der Speyerer Kirche. (hier geht's zur Belegdokumentation von Walter und Albertus ...)

Eberhard ("Heberhardus de Schiverstat") schenkt vor 1180 sein Erbgut zu Schifferstadt dem Kloster Limburg. 1203 erscheint er noch in einer Urkunde für das Benediktiner Kloster St. Lambrecht. (hier geht's zur Belegdokumentation des Eberhard ..... )

Dem Reformkloster Hirsau schenkte eine edle Dame "Adelheid von Schifferstadt" in der 2. Hälfte des 12. Jh. eine größere Geldsumme zum Ankauf von Gütern in Böchingen.

 

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Karte Schifferstadt

 

Die Struktur des mittelalterlichen Schifferstadts

 

Anhand dieser Karte versuchen wir (nach unserem aktuellen Kenntnisstand) ein Bild des Dorfes während des 12. Jahrhunderts darzustellen. Bisher haben wir leider nur sehr wenig belegbare Standorte ausfindig machen können und hoffen auf die Unterstützung der Einwohner Schifferstadts sowie der kundigen Besucher unserer Seite.

 

Oftmals ist es so das Beinamen wie "Hof" auf ein altes, gewachsenes Wirtschaftsgut hindeuten welches sich meist über Generationen hinweg bis ins Mittelalter zurückverfolgen lässt. 

 

Die meisten Höfe (teilweise auch Fronhöfe) dürften sich zuerst entlang des Rehbachs angesiedelt haben (aufgrund der guten Wasserversorgung für Mensch und Vieh). Denkbar ist als Flächenausdehnung eine Ovalform mit der Mittelachse Rehbach und im Mittelpunkt die salische (Eigen-)Kirche (heute St. Jakobus), man spricht sogar von einer räumlich weitaus größeren Flächenausdehnung als es jetzt der Fall ist (bitte hierbei immer beachten das sich zwischen den einzelnen Höfen große Ackerflächen befanden, möglicherweise sogar Wäldchen welche als Viehweide genutzt wurden. Man legte seine Äcker und Weiden schließlich möglichst rund um den eigenen Hof an (kurze Wege !)).

 

Wenn man zugrunde legt, das in Spira (Speyer) die Einwohnerzahl zwischen 500-750 betrug, dürfte man in Sciferstat von schätzungsweise 50-70 Einwohnern ausgehen. Allerdings soll es in Sciferstat, bedingt durch die Aktivität der verschiedenen Orden und Klöster zwischen 30-40 Höfe gegeben haben, alle umgeben von den eigenen Feldern und Wirtschaftsflächen.

 

Hier zuerst einige Beispiele erwähnter Höfe und Plätze zum besseren örtlichen Verständnis:

 

1 = St. Jakobus, erste beglaubigte Nachricht über eine Kirche in Schifferstadt 1101. Das untere Turmteil stammt aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts.

2 = Jagdhof, ehemalige Kanzlei des Klosters Limburg. Die Fundamente stammen aus dem 13. Jahrhundert. Hier kann also schon ein Hof im 12. Jahrhundert vermutet werden

3 = Ehemalige Lorenzkapelle in der Bäckergasse, vermutlich von den Saliern gestiftet, allerdings erst erwähnt im 15. Jahrhundert, daher fraglich

4 = Weed oder Wasserstelle, Tränkplatz für Vieh, im 12. Jahrhundert nicht belegt

5 = ehemaliger Mönchshof, denkbar das hier die direkte Verbindung im 12. Jahrhundert zum Kloster Limburg zu finden ist, Fronhof der Abtei Limburg oder von den Mönchen selbst bewirtschaftet ?

6 = an der Wappenschmiede, denkbar das hier eine Schmiede oder Mühle, betrieben durch Wasserkraft (Rehbach) stand

7 = Adlerhof (Die Bezeichnung „Hof“ deutet auf ein gewachsenes Gehöft oder Wirtschaftsgut hin)

8 = Auch im Bereich der heutigen Druckerei Geier wurden Tonscherben aus dem Mittelalter gefunden

 

Belegte mittelalterliche Höfe und Mühlen in Schifferstadt (Quelle Andreas Best)

 

Unseren herzlichen Dank an Andreas Best für die Bereitstellung dieser wichtigen Grundlagen. Wir können jedem Interessierten nur nahelegen, eine Stadtführung mit ihm zu machen, um in die Geschichte Schifferstadts kompetent eingeführt zu werden.

 

1035 wird ein Herren- oder Fronhof im Besitz der Abtei Limburg in der Mühlstraße erwähnt (Quelle Sturm 62ff.)

Im 12. Jahrhundert wird ebenfalls von einem Hof in der Sommerstraße 25 gesprochen, belegt durch Ausgrabungen und Funde, allerdings ohne Zuordnung.

1241 wird im Bereich Rehhütte (bei Limburgerhof) eine Mühle in Besitz der Abtei Limburg erwähnt (Quelle Wihr 9)

Um 1252 spricht man erstmals von dem Hof Walters als Erbe von seinen Eltern, Besitzer war das Kloster Eußerthal (bereits im Zusammenhang mit Walter / Galterus / erwähnt, Quelle Sturm 79)

1285 erwarb der Deutschherrenorden den Hof des Gerhard, genannt Rycholtz, welcher ihn von Bertholt, genannt Swadehals kaufte. Gelegen war der Hof im Bereich der Rehhütte (Quelle GuG31)

Im 13. Jahrhundert sind es dann eine ganze Reihe von Höfen. In der Meckgasse oder Altenhofstraße (in der Gegend der Elisabethenstraße) wird von einem St. Lambrechter Klosterhof, später auch Maulbronner Klosterhof, welcher direkt neben dem Eußerthaler Klosterhof gelegen war gesprochen (Quelle Sturm 91)

Ebenfalls im 13. Jahrhundert lag in der Iggelheimstraße 42 ein Deutschhof, versehen mit Ordenskreuzen (Quelle Sturm 87)

Die heutige Rehhütte, im 13. Jahrhundert als Rehhof bekannt (Quelle Sturm 68)

Zu guter letzt gab es im 13. Jahrhundert schon eine Kanzlei der Abtei Limburg im Bereich des heutigen Jagthofes (Quelle Sturm 74f und Ausgrabungen)

1305 werden zwei Höfe genannte. Da wäre ein Hof des Heinrich, genannt Rotbart, zugehörig der Abtei Limburg, gelegen bei dem Hof der Frauen von St. Lambrecht,  beides in der Ellergasse (Quelle Sturm 79).

1307 spricht man von einem Hof mit Obstgarten, gehörig zum Heiliggrabkloster Speyer an der Kanzleibrücke, heutiger Jagdhof (Quelle Sturm 92f)

1328 gibt es dann wieder eine ganze Reihe an Daten. Zwei Höfe des Heinrich, genannt Biboz, zugehörig dem Kloster Eußertahl, einer an der Bodenbrücke, einer bei der Gudenbrunne-Quelle. Ebenfalls sind drei private Höfe, der des Edelknechtes Johannes, genannt Lirer, einer der Trulben sowie einer des Hentzelin, genannt Sluden (Quelle Sturm 81)

 

 

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Historisches Schifferstadt nach den uns bekannten Fakten

 

Als Grundlage muss man erkennen, das Schifferstadt schon in der Römerzeit an einer wichtigen Wegkreuzung entstanden ist (Ampel Kreuzung Bahnhofstraße - Kirchenstraße). Diese beiden Achsen sind belegte römische Heer- und Handelswege. Entlang dieser Achsen befanden sich in weiteren Abständen römische Villen, auf welchen dann in der Regel später die mittelalterlichen Höfe aufgebaut wurden. Belegt sind diese Fakten durch Ausgrabungen und verschiedene historische Quellen. Wenn man heute durch Schifferstadt wandert und sich die Straßennamen ansieht, wird man gewiss den ein oder anderen Zusammenhang mit mittelalterlichen Begebenheiten herstellen können.

 

Im 6. Jahrhundert n. Chr. ist dann aus dieser Straßenkreuzung und den ehemaligen Villen eine kleine Ansammlung von Höfen entstanden. Erwähnt wird ebenfalls ein Friedhof, gelegen am Ort des heutigen alten Rathauses (also gegenüber der St. Jakobus in der Kirchenstraße. Schon um das Jahr 700 wird eine kleine Holzkirche (am Ort der St. Jakobus Kirche) erwähnt, welche dem örtlichen Adel als Grabgelege für die Familienmitglieder diente.

 

Schifferstadt wird am 25. Mai des Jahres 868 als Sciffestad erstmalig urkundlich erwähnt, beglaubigt vom Frankenkönig "Ludwig dem Deutschen" (einem Enkel Karls des Großen) Die Urkunde steht in Zusammenhang mit einem Königshof der Franken in Schifferstadt. Hier möchten wir jedoch zu bedenken geben, das die Notwendigkeit eines Könighofes an diesem Platz äußerst zweifelhaft erscheint und es weiter keine Belege hierfür gibt. Schifferstadt befindet sich in direkter Nähe zu Speyer, wo es schon eine Kaiserpfalz zur Frankenzeit gab, des weiteren handelt es sich bei dieser Urkunde um eine (durchaus angezweifelte) Abschrift und nicht um das Original. Möglich wäre auch, das es sich nicht um einen Königshof, sondern um ein Grabgelege der Franken handelte, was aufgrund der weiter unten aufgeführten Belege wesentlich mehr Sinn macht ..... hier bietet sich also viel Raum um weiter nachzuforschen. 

 

Im Jahr 977 schenkte der Salier-Herzog Otto von Kärnthen, genannt „von Worms“, dem von ihm gegründeten Kloster Lambrecht einen Hof in Schifferstadt, dazu den neunten Teil aller Erträgnisse und Nutzungen seiner Güter in Schifferstadt. In Schifferstadt wurde Herzog Otto zu Ehren bis ins 19. Jahrhundert immer am 4 November das Herzog Otto Fest abgehalten. Damals ging die Kirche auch in den Besitz der Salier über.

 

(Salier: von althochdeutsch sal: „Herrschaft“ oder Latein salii: „Salzmeerbewohner“, viel wahrscheinlicher aber direkt vom Namen der Salischen Franken)

 

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Vieles weist tatsächlich darauf hin, dass Herzog Otto von Kärnten, Großvater von Konrad II (Gründer des Domes zu Speyer und Erbauer der Abtei Limburg) der erste sicher bezeugte Ortsherr von Schifferstadt war. Aufgrund der sehr teuer ausgestatteten Eigenkirche in Schifferstadt geht man sogar davon aus, das Herzog Otto sogar möglicherweise in Schifferstadt beigesetzt wurde. Leider gibt es keine Belege hierfür, dazu jedoch später.

 

Um das Jahr 985 übertrug Herzog Otto seiner Gemeinde - wohl als Dank und Anerkennung für vielfache treue Dienste - einen 4.000 Morgen großen „Wald im Rechholz, Wasser, Weid und Heid, das selbige zu gerbauchen nach ihrem Gefallen“, so seine Worte. Die Bewohner Schifferstadt durften von nun an Bau- und Brennholz, Harz und Streu daraus beziehen und den Wald als Weide gebrauchen. Wegen eines Weidstrichs im Speyerer Stadtwald sei es nicht selten zwischen Schifferstadt und Speyer zu Streitigkeiten gekommen, hieraus entspringt später der Begriff „Streitwald“ (oder „Struitwaldt“) als Name dieses Landstückes

Als Gegenleistung für diese Zuwendung musste die Gemeinde am Donnerstag in der Oktav des Festes Maria Himmelfahrt für sein und seiner Frau Judith Seelenheil ein Jahresgedächtnis halte, bei dem gleichzeitig 12 Messen zu lesen waren.

Bei der Teilung der Gaugrafenschaften im Jahr 990 kamen die salischen Besitztümer, darunter auch das Dorf Schifferstadt mit dem „Palatium“, an seine Söhne Heinrich und Konrad.

 

Schifferstadt war zum besseren Verständnis im 10. und 11. Jahrhundert salischer Besitz und gehörte zur Gaugrafenschaft Speyer. Heinrichs Sohn, der spätere Kaiser Konrad II., schenkte beides 1017 seiner Gemahlin als Ehegut.

 

Am 17. Januar 1035 schenkten Kaiser Konrad II. und Kaiserin Gisela das Dorf Schifferstadt, urkundlich bezeichnet als „Besitz in Schiverstadt“ mit allem Zubehör der von ihnen gegründeten Benediktinerabtei Limburg bei Bad Dürkheim. Dadurch wurde Schifferstadt aus dem Verband der Gaugrafenschaft Speyer gelöst. Orts-, Gerichts- und Grundherr war nun der Abt von Limburg. 30 Jahre unterstand das Dorf der Abtei Limburg. Die Bewohner waren nun dem „Limburger Hofrecht unterstellt“

 

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Kloster Limburg im Mittelalter

Schifferstadt und sein besonderer Bezug zur Abtei Limburg

Erste Bauwerke auf dem „Linthberg“, dessen Name vermutlich vom Lindwurm abgeleitet ist und somit „Drachenberg“ bedeutet, wurden im 9. Jahrhundert von den salischen Herzögen aus Worms ursprünglich als Burg errichtet, die den Eingang des Isenachtales beherrschte. Gut 300 Jahre später übernahm ganz in der Nähe die damals neue Hardenburg diese Schutzfunktion. Das Schifferstadt auch in besonderem Bezug zur Abtei Limburg stand, belegen auch die folgenden Zeilen:

Georg Sturm schreibt in seinem Buch "Geschichte meiner Heimatgemeinde Schifferstadt", erschienen 1961. Dieses buch ist jedem zu empfehlen, der sich mit der Geschichte der Stadt Schifferstadt auseinandersetzen möchte. Auf Seite 257 - 259 ist das "Weistum über die Freiheiten und Rechte des Abtes in Groß-Schifferstadt" abgedruckt. Zu finden auch in Grimm, Weistümer Bd. 5, S. 585; sowie im Limburger Kopialbuch fol. 35 - 37 (Landesarchiv Speyer).

 

Unter Punkt 14 heißt es u.a.: "Item . . . soll ein pfleger oder meister im fronhofe . . . gehorsam sein in der crutzwochen und in ander creutzfart . . ."

 

Unter Punkt 15: "Item sint die gemein daselbst jerlich schuldig, wan sie uf des heiligen crutz tag mit den creutzen uf Lympurg komen, zu geben 2 ß hlr oder so vil wert brots und sollen die ersten voran mit iren crutzen und fanen in der prozession sein. das ist also von alter her gehalten worden."

 

Erläuterungen: Die Kreuzwoche ist die 6. Woche nach Ostern, insbesondere die Tage von Sonntag Rogate bis Himmelfahrt.Es gibt zwei Kreuztage. Die Kreuzauffindung am 3. Mai und die Kreuzerhöhung am 14. September. Da im Kloster Limburg eine Kreuzreliquie verehrt wurde ist mit dem "crutz tag" bestimmt der 3. Mai gemeint; er hat auch die längere Tradition. Ob wohl auch die Kirchweih in Grethen am 3. Mai damit zusammenhängt?

 

Das Kloster wurde im Jahre 1042 vollendet und zu Ehren des Heiligen Kreuzes, der Jungfrau Maria, der heiligen Lucia und des Evangelisten Johannes geweiht. Kaiser Heinrich III. brachte im Jahre 1047 ein Stück des Kreuzes Christi aus Italien mit und vermachte es dem Kloster als Reliquie. In feierlichem Zuge und in Anwesenheit des Kaisers holten die Mönche das kostbare Geschenk in die Obhut des Klosters ein. Von nun an führte die Abtei den offiziellen Namen "Stift zum heiligen Kreuz" und sein Wappen zeigte ein schwarzes Kreuz mit Dornenkrone und zwei Stäben im silbernen Feld (heute noch über dem Chorbogen zu sehen). Auch die ersten erhaltenen Fauteisiegel von Großschifferstadt aus dem Anfang des 17. Jh. zeigen ein Kreuz mit Dornenkrone und zwei Stäben über einem Schiff.

 

Fazit: Die Schifferstadter waren bei der Kreuzprozession von Anfang an dabei.

 

Unter Beibehaltung des Namens wurde die Limburg ab 1024 zu einer Benediktinerabtei mit dreischiffiger Basilika umgebaut und 1035 in Anwesenheit Kaiser Konrad II. geweiht. Die Anlage entstand in etwa zeitgleich mit dem Dom zu Speyer. Vorübergehend, von 1034 bis 1065, wurden die Reichsinsignien im Kloster aufbewahrt. Als Königin Gunhild von Dänemark, die Gattin Kaiser Heinrich III., 1038 in Italien starb, wurde ihr Leichnam über die Alpen gebracht und im Kloster beerdigt. Ihre Gebeine ruhen noch heute im Kirchenschiff.

Doch zurück zu Schifferstadt: Kaiser Heinrich III. schenkte 1046 die Schifferstadter Kirche und ihre Besitzungen der Speyerer Domkirche bzw. dem Domkapitel.

 

     

 

1065 ging die Abtei mit allen Besitzungen in das Eigentum des Hochstiftes Speyer über, dem es bis zum Jahre 1797 gehörte. Orts-, Gerichts- und Landesherr war nunmehr der jeweilige Fürstbischof von Speyer. Mit der Übergabe an das Hochstift war aber der Abt von Limburg nicht vollständig ausgeschaltet. Er nahm nach überliefertem Recht gemeinsam mit dem Bischof teil an der Rechtsprechung und zu einem Drittel teil an „Bußen“ (Strafgeldern). Der Abt hatte ferner für Groß-Schifferstadt den Schultheißen und den Büttel zu „setzen“ und zwei Schöffen vom Gericht in Klein-Schifferstadt an das Gericht von Groß-Schifferstadt abzuordnen. Klein-Schifferstadt (die heutige Langgasse) oder das „Dorf auf der Wiesen“, wie es in einer Urkunde genannt wird, hatte seine eigene Geschichte.

 

Kaiser Heinrich IV. (1039-1056) bestätigte urkundlich am 10. April 1101 der Domkirche all ihre Besitzungen, Rechte und Freiheiten. Dabei wird erstmals die noch aus Holz gebaute (Eigen-)Kirche in Schifferstadt genannt (neben einem Friedhof oder Grabgelege am Platz des heutigen alten Rathauses).

 

Mitte des 12. Jahrhundert dann, also in der Hauptzeit unserer Darstellung wird endlich eine (natürlich) geostete Chorturmkirche mit drei Konchen erbaut. Heute sind noch die untern drei Geschosse des alten Turmes erhalten. Chormturm bedeutet, das sich innerhalb des Turmes in dessen Zentrum der Altar befand, in den Konchen waren kleinere Andachtsbereiche bzw. Kapellen untergebracht. Der Raum für die Gläubigen befand sich wie üblich im Langschiff. der Kirche.

 

Gegen 1255 wird dann St. Jakobus erstmals als Patron der Pfarrkirche genannt (hier kann man wieder sehr schöne Rückschlüsse auf die alten Römerwege und die zwei Wegachsen ziehen, welche auch als Pilgerstraßen z.B. nach Compostella genutzt wurden). Hervorgehoben werden muss auch, das die Kirche für damalige Verhältnisse und vor allem auf die Größe des Dorfes bezogen sowie der unmittelbaren Nähe zu Speyer äußerst aufwändig und teuer gebaut wurde. Das Dach war, nur um ein Beispiel zu nennen mit teueren Schieferschindeln gedeckt. Ein weiteres Indiz dafür, das man das Grabgelege des Herzog Otto im Bereich Schifferstadts vermuten darf.

Edelbert Memmel gibt in seinem Beitrag „Zur Geschichte der katholischen Kirchengemeinden Schifferstadts“ folgende Erklärung:

„Nachdem man im 9. Jahrhundert in Santiago de Compostela die Gebeine des Apostels Jakobus des Älteren glaubte gefunden zu haben, setzten die „Wallfahrten nach Santiago de Compostela“ ein. Die erste größere Station auf dem Weg nach Spanien in unserem Gebiet war die Bischofsstadt Speyer. Man kann davon ausgehen, dass einer dieser Pilgerwege auch über Schifferstadt führte.

Somit wäre auch das Jakobus - Patrozinium erklärbar“.

Im 12. Jh. sind, wie weiter oben schon erwähnt und hier der Vollständigkeit halber nochmals aufgeführt mindestens 5 Personen aus der Niederadelsfamilie von Schifferstadt nachweisbar: Walter, Albert, Adelheid, Eberhard und seine Schwester. Walter und Albert waren wahrscheinlich Brüder. Die drei anderen sind wohl Nachkommen der beiden. 

Walter ("Galterus de Schiferstat") war Ministeriale der Speyerer Kirche. Zwischen ca. 1155 und 1162 wird er bei einer Schenkung an das Zisterzienser Kloster Ramsen als Zeuge genannt. 1164 wird er zusammen mit "Albertus de Sifferstat" als Zeuge in einer Urkunde genannt, bei der eine Marienkapelle dem Kloster Eußerthal zuerkannt wird.

Albert war ebenfalls Ministeriale der Speyerer Kirche.  (hier geht's zur Belegdokumentation von Walter und Albertus ...)

Eberhard ("Heberhardus de Schiverstat") schenkt vor 1180 sein Erbgut zu Schifferstadt dem Kloster Limburg. 1203 erscheint er noch in einer Urkunde für das Benediktiner Kloster St. Lambrecht. (hier geht's zur Belegdokumentation des Eberhard ..... )

Dem Reformkloster Hirsau schenkte eine edle Dame "Adelheid von Schifferstadt" in der 2. Hälfte des 12. Jh. eine größere Geldsumme zum Ankauf von Gütern in Böchingen.

 

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Lesetip

 

"Schifferstadt, Geschichte und Geschichten"

·  Gebundene Ausgabe

·  ISBN-10: 3000024735

·  ISBN-13: 978-3000024733

 

Georg Sturm "Geschichte meiner Heimatgemeinde Schifferstadt", erschienen 1961.

 

Grimm, Weistümer Bd. 5, S. 585; sowie im Limburger Kopialbuch fol. 35 - 37 (Landesarchiv Speyer).

 

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